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 ?  Vielleicht machen wir es so, dass wir zu oberst auf dieser Seite immer die Themen bringen, die aktuell in der Gesellschaft zum Thema Schulkinder diskutiert werden. Die Schulkleidungsproblematik in Deutschland ist nicht gelöst und ist wegen aktuellen Bekleidungsmoden der Jugend kontrovers. Das Thema Gewalt in der Schule hat seinen eigenen Bereich in Mitgestaltung->gegen Gewalt.

 
Liebe Erziehenden
Kinder sind unabhängig von Alter, Herkunft oder Intelligenz vollwertige Persönlichkeiten, auf dem Weg, ihren von den Eltern geerbten Leib zu ergreifen und beherrschen zu lernen. Mit ihnen kommt ein beständiger Strom von neuen geistigen Impulsen, Bedürfnissen und Fähigkeiten zur Erde. In den Kindern lebt das Zukunftspotential der Menschheit. Deshalb ist Erziehung und Bildung Aufgabe der Gesellschaft und keine private Angelegenheit der Eltern. Die Eltern sind Erziehungsbeauftragte, mandatiert einerseits durch das Kind im Eltern-Kind-Schicksalszusammenhang und andrerseits durch die Gesellschaft. Die Gesellschaft delegiert ihre Erziehungs- und Bildungsaufgabe an die Eltern. Deshalb hat sie die Aufgabe und Verantwortung, alles zu unternehmen, damit die Eltern ihr Mandat optimal erfüllen können. Delegation der Erziehungsaufgabe ohne entsprechende Unterstützung an Infrastruktur (z.B. Kinderbetreuung), gesetzlichen Rahmenbedingungen, Finanz- und Sachmitteln, verhindert die erfolgreiche Erfüllung der Aufgabe. Kinder erziehen ist keine private Angelegenheit.[PJ]
Erziehung ist Voraussetzung für Bildung. Zum Thema Erziehung in der Familie muss eine Ermutigung in der Web-Site einer Elternvertretung wie der uns'rigen stehen. Mut zur Erziehung? Es könnte bedeuten (LEB-Sachsen): Mut – Stellung zu beziehen, innerhalb der Familie oder Mut – die Verantwortung in der Erziehung selbst zu tragen. Damit kann schon etwas ausgeschlossen werden, was ein großer Fehler in der Erziehung wäre. Das wäre die Angst in den Köpfen der Eltern, etwas Falsches zu tun und deshalb die Erziehung zu delegieren. Wäre dies ein Massenphänomen, würden wir auf eine soziale Depression zusteuern. Wir hätten dann eine Gesellschaftsform, die nicht mehr in der Lage wäre, die Kinder zu erziehen. Dann wäre es klug das abzulegen, was uns entscheidungsunfähig macht in den Dingen, in denen wir Handeln müssten.
Ist es möglich, dass für uns Dinge zum Lebensinhalt wurden, die eigentlich als oberflächliche Zerstreuung und Unterhaltung gedacht waren? Dann drehen wir aus eigenem Entschluss doch jene Medien für uns persönlich herunter, die uns viel zu stark vereinnahmt haben. Man wird sehen, das die vermeintlich gesellschaftlichen Ansprüche, denen man glaubt mit seinen Kindern entsprechen zu müssen, Alternativen haben. Es führt kein Weg daran vorbei, sein Gewissen zu Rate zu ziehen, gesunden Menschenverstand walten zu lassen und in jeder Situation aufs Neue zu entscheiden. Alt genug sind wir ohnehin, also sollte Lebenserfahrung beruhigen gegenüber allgemeinen Verunsicherungen. Logisches Denken sollten wir in unseren Ausbildungsphasen gelernt haben; im eigenen Berufsleben haben wir gelernt massiven Druck auszuhalten; aber Erwachsen müssen wir sein wollen.
Sehr kompetent äußert sich zu diesem Thema Herr Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes in Mut zur Erziehung! Kinder zwischen Elternhaus, Schule und "Super-Nanny" (11/2005).
Bernhard Bueb, Autor des Buches "Lob der Disziplin" schreibt in einem Beitrag des SÜDKURIER vom 24.2.2007, Seite 3, Mehr Disziplin, bitte: "... »Erziehung ist Liebe und Vorbild, sonst nichts«, so hat es Friedrich Fröbel, der Gründer der Kindergärten, sie beschrieben. Liebe ohne Disziplin wird herrisch oder pervertiert zur Eifersucht, die Mutter muss ihre Liebe zügeln, weil sie das Kind sonst verwöhnt und zum Egoismus verleitet, ... . Zu viele erziehen mit Liebe, der es an Selbstdisziplin mangelt, und zu viele sind keine Vorbilder mehr. Die Erziehungswirklichkeit spiegelt diesen Mangel. Vielen Jugendlichen fehlt es an Anstrengungsbereitschaft, weil Erwachsene sich nicht der Anstrengung unterziehen, zu führen, Orientierung zu geben, Grenzen zu setzen, Konflikte zu wagen. Sie haben vergessen, dass Kinder nur durch Erziehung den Weg der Anstrengung gehen, um das Ererbte zu erwerben, und dass sie ohne Erziehung zu wenig den Nutzen von Disziplin erfahren, nämlich Verzicht zu üben, um ein Ziel zu erreichen oder fleißig, sorgfältig und ordentlich zu arbeiten, um gute akademische Leistungen zu bringen oder ein Werkstück anzufertigen. Disziplin bedarf der Einübung, der Gewöhnung, der Ritualisierung, um eines Tages zur Einsicht zu führen, wie nützlich sie ist. Diese Einsicht ist die Voraussetzung für Selbstdisziplin. Ich appelliere an die Erwachsenen: Nehmt eure Verantwortung als Erwachsene wieder ernst, unterzieht euch der Anstrengung der Erziehung, damit Kinder und Jugendliche von Vorbildern lernen, dass ihr Glück und ihr Erfolg Anstrengung voraussetzt."
Anfang 1987 beschäftigte sich Michael Kneissler in der P.M. S. 40-46 unter dem Thema „Erwachsen wird jeder – oder?“ mit diesem Prozess. Beachtenswert hier die Sätze des amerikanischen Psychologen Erik Erikson, der die Entwicklung einer eigenen Identität als Kernpunkt des Übergangs vom Kind zum Erwachsenen sieht. Dabei geht es um:
- den eigenen Körper zu akzeptieren,
- ein männliches oder weibliches Sozialverhalten zu erlernen,
- sich für einen Beruf zu entscheiden und sich darauf vorzubereiten,
- im Gefühlsleben von den Eltern und anderen Erwachsenen unabhängig zu werden und
- ein eigenes Wertsystem zu entwickeln, nach dem man leben möchte.
Kneissler bescheibt den Begriff der Entwicklungsschere. Es sei Tatsache dass die körperliche Reifung früher einsetze (Akzeleration), die seelische dagegen Verzögerungen erkennen ließe (Retardation). Erschwerend komme für Jugendliche hinzu, dass für diese die Orientierung schwieriger werde, wenn Erwachsene sich auf jugendlich trimmen. Nicht nur äußerlich glichen sich Kinder und Erwachsene derart aneinander an, dass Wissenschaftler wie der amerikanische Mediensoziologe Neil Postman („Das Verschwinden der Kindheit“) gar nicht mehr zwischen den Alten und den Jungen unterscheiden mögen. Auch innerlich verschieben sich die Grenzen derart, das N. Postman nur noch pauschal von „Kind-Erwachsenen“ spricht. Interessant zu dieser Zeit, - der Beginn der PC-Ära - wie die Medienkompetenz der Jungen beschrieben wird und wovon die Erwachsenen lernen müssten. Fazit der Betrachtungen von Ende 1986: Die Entwicklungspsychologie vermutet eher, dass sich die Entwicklung des Erwachsenwerdens über die gesamte Lebensspanne erstrecken kann und womöglich auch ein 60-jähriger bei genauer Betrachtung noch kindliche Eigenschaften ins Rentenalter transportiert.
Das Erwachsenwerden ist in jeder Epoche ein Thema, weil in jeder andere Bedingungen gelten und neue geistige Strömungen entstehen. In der heutigen Zeit der Globalisierung glaubt man den Trend auszumachen, sich des Erwachsenwerdens zu verweigern. In einem Artikel in der P.M. vom Oktober 2006, S. 83-86, stellt die Autorin Marianne Oertl [MO PM]fest: „Immer mehr Menschen weigern sich, Erwachsen zu werden.“ Sie beschreibt, wie im Zeitalter der Globalisierung dieser Vorgang empfunden wird und durch welche ökonomischen Veränderungen er erschwert ist. Der Artikel nimmt Bezug auf einen Essay der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): „Warum wir nicht mehr älter werden“. Entwicklungspsychologen listen in den Themenblättern der BpB als Voraussetzung für das Erwachsensein auf: über Ich-Stärke und Autorität verfügen, aber auch Kompromisse eingehen können; Kritik üben, aber auch ertragen können; Verantwortung für sich und andere übernehmen; zuhören können und Dankbarkeit sowie Anerkennung ausdrücken; kooperativ und teamfähig sein; den Status quo immer wieder hinterfragen [MO PM S.85].
M. Oertl zitiert Sascha Lehnarzt ([MO PM S. 84) aus seiner Polemik „Global Players“ »Die landläufige Vorstellung vom Erwachsensein lässt sich einerseits nur leben unter der Voraussetzung relativen ökonomischen Erfolgs«,… andererseits ist das Konzept gebunden an einen ganzen Strauß altmodischer Werte: Verlässlichkeit, Langfristigkeit, Berechenbarkeit, Loyalität, Treue, Stabilität. Dieser Wertekanon bildet gleichsam die Grundfeste dessen, worauf sich Erwachsensein als moralische Haltung gründet. Wer erwachsen ist, hat Charakter.« Und Charakter drücke sich aus durch Treue und gegenseitige Verpflichtung, durch die Verfolgung langfristiger Ziele und den Aufschub von Befriedigung um zukünftiger Zwecke willen.
Die Autorin stellt nun die Frage: „Wie aber soll man langfristige Ziele verfolgen in einer ungeduldigen Gesellschaft, die nur auf den Moment konzentriert ist? Wie lässt sich das »Langzeitprojekt Kinder« mit dem Turbo-Alltag zweier vom Beruf voll geforderter Leistungsträger vereinbaren?“ Mehr noch als Männer litten junge Frauen unter den kinderfeindlichen Bedingungen in unserem Land. Was Mutter sein bedeutet, belege der Bericht der „Kommission Familie und demografischer Wandel“, der Ende 2005 erschien: immer mehr Spätgebärende, immer höhere Hürden beim Wiedereinstieg in den Beruf, immer mehr Alleinerziehende, die immer öfter Sozialhilfe beziehen. Und immer weniger Männer, die Kinder haben möchten.
Die Autorin beschreibt, warum es ihrer Ansicht nach so scheint, als wären heute zwei Bedingungen des Erwachsenseins kaum noch gleichzeitig zu erfüllen: „Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg und Berechenbarkeit des persönlichen Lebenslaufs schließen sich mehr und mehr aus. Wer Erfolg haben will, muss flexibel sein. Das heißt, er ist ständig unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Neuem, beruflich wie privat.“ Das bedeute aber nicht, dass zum Reifen die Gelegenheit fehle. Die grosse neue Herausforderung beim Erwachsenwerden bestehe nun aber darin, „Reife“ zu kultivieren, ohne den Schwung und die Power , die Neugier und Naivität, die Sorglosigkeit und die Spontaneität der Jugend zu verlieren (ebenda S. 85).
Die Kunst werde es sein, einerseits das Kindische und Egozentrische abzulegen und sich andererseits die „Weisheit der Jugend“ zu erhalten. Dies sind nach Oertl’s Ausführungen (S. 86):
- ernsthafte Beharrlichkeit beim Lösen eines Problems;
- Fähigkeit, ganz in eine Welt einzutauchen, ohne die Umgebung wahrzunehmen;
- Fantasie und Lust beim spielerischen Variieren einer Methode
- Vorurteilslosigkeit gegenüber unbekannten Menschen und Situationen
- Bereitschaft offen die Meinung zu sagen, ohne an die Folgen zu denken
- Eine unverkrampfte Art, auf andere zuzugehen.
Schlussfolgerung: Jugend und Reife seien miteinander vereinbar.“ … und was spreche eigentlich dagegen, wenn man Kinder und Jugendliche viel öfter nach ihrer Meinung fragte?
Sie finden bei uns unter dem Eintrag "Erziehung" zahlreiche Beiträge, auf die wir innerhalb eines Jahres Recherche gestoßen sind und die wir für Sie lesenswert erachten. Mit unserer Art der Darstellung und Wissens-Strukturierung glauben wir Ihnen einen angenehmen Einstieg in große Themenbereiche geschaffen zu haben. Neben der Literatur und Ihren privaten Quellen zu Erziehungsfragen wollen wir ein Zusatzangebot aufbauen, auf dessen Details man nicht ohne weiteres bei den eigenen Recherchen in kurzer Zeit gestoßen wäre.
freundlicher Gruß
Web-Ag, GEB-Konstanz






[PJ] Philip Jacobsen, Mitteilungen der Rudolf Steiner-Schule Wetzikon, Zürich, Dezember 2002

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